
Leicht und kraftvoll
Auf weiter Flur schufen Aeby Aumann Emery Architectes ein Zuhause mit Charakter und Kraft, das die Jury überzeugte. Der IdealesHEIM Architekturpreis geht in seiner 4. Ausgabe deshalb erstmals in die Westschweiz.
Viele Fragen zur Bedeutung des Einfamilienhauses wurden erst durch die vertiefte Auseinandersetzung mit den Beiträgen aufgeworfen, und nicht alle konnten abschliessend beantwortet werden. So erwies sich etwa die Facette der Nachhaltigkeit als äusserst vielschichtig und führte neben naheliegenden Diskussionen über angemessene Materialität oder Grösse von Häusern ebenso zu Überlegungen, ob ein ländliches oder ein städtisches Umfeld als für das Einfamilienhaus typisch und angemessen bezeichnet werden kann oder wie ein Ferienhaus gegenüber einem Wohnhaus in diesem Zusammenhang zu bewerten ist. Nach spannenden Diskussionen und einigen neu gewonnenen Ansichten fiel das Urteil der Jury am Ende klar und einstimmig aus.
Idealbeispiel fürs Einfamilienhaus
Das Siegerprojekt des IdealesHEIM Architekturpreises 2012 kann als Idealbeispiel für die Bedeutung eines Einfamilienhauses herhalten. Weitab von jeglichem baulichem Kontext schafft sich das Projekt inmitten von Feldern seinen eigenen Ort und seine eigene Identität. Das Wohnhaus und die dazugehörende Remise bilden eine Einheit inmitten der weiten Landschaft des Kantons Freiburg. Der Scheune ist die über den reinen Nutzbau hinausgehende architektonische Gestaltung nur leicht anzusehen, im Zusammenhang mit dem eingeschossigen Wohnhaus wird das Gemeinsame sichtbar: Das prägendste Gestaltungselement und gleichzeitig das grosse Ganze des ungleichen Paares ist die Materialisierung der Aussenhaut mit gewellten, grauen Eternitplatten. Bei der Scheune als selbstverständlich angesehen, überrascht die Aussenhaut aus Faserzement beim Wohnhaus. Sie umfliesst den Innenraum vollständig und ist nur durch raumhohe Fensterflächen und die Eingangstür unterbrochen.
Angemessene Architektur
Der diesjährige Sieger des IdealesHEIM Architekturpreises besticht nicht nur durch seine präzise Architektur und die überraschende Materialisierung, deren Ursprung und Idee sich plausibel aus Funktion und Umfeld ableiten lassen. Ebenso finden Aeby Aumann Emery Architectes eine angemessene Antwort auf die Frage nach der Berechtigung und dem idealen Standort eines Einfamilienhauses. Inmitten einer ruralen Natur schafft es einen Arbeits- und Wohnort mit starker Identität, an dem beides zusammen gelebt wird.
Die Architekten
Das Architekturbüro Aeby Aumann Emery wurde 2006 in Freiburg gegründet. Damals gewannen die drei HES-Absolventen – die zuvor in verschiedenen Büros im In- und Ausland Erfahrungen gesammelt hatten – den Wettbewerb zur Umgestaltung des Kollegiums Gambach. Weitere Schulhausprojekte kamen hinzu wie das Projekt für den Neubau der Primarschule von La Brillaz, das nächstes Jahr fertig gestellt werden soll. Mittlerweile beschäftigt das Team fünf weitere Mitarbeiter.
Text: Juho Nyberg Fotos: Børje Müller
Zürich und Chur
IdealesHEIM besuchte zwei Häuser des Bündner Architekten Andres Liesch (1927–1990): Ein Meisterwerk des Betonbaus in Zürich und ein kleines Juwel mitten in der Churer Altstadt.
Der Gebäudekomplex – 1971 erbaut und aus einer Duplex-, einer Triplexwohnung und einem Einfamilienhaus bestehend – liegt am Zürichberg und schmiegt sich trotz seinem stattlichen Volumen und dem kraftvollen Beton an die topografi sche Gegebenheit, als wäre er aus dem Berg gewachsen. Zu diesem Eindruck trägt auch der Umstand bei, dass keine rechten Winkel im Bau zu fi nden sind. Kristallartig der Orthogonalität trotzend, legt das zuoberst liegende Haus, das nunmehr
von Lieschs Witwe bewohnt wird, seine Konstruktion offen; es gibt keine Wand zu viel, ganz dem Prinzip eines grossen Vorbilds von Liesch folgend, des amerikanischen Architektur-Pioniers Frank Lloyd Wright – der im Gegensatz zu seinem Schweizer «Eleven» dem allgemeinen Architekturgedächtnis erhalten blieb.
Nicht weniger durchdacht, aber von anderem Kaliber als das Haus am Zürichberg ist ein Atelierhaus in Chur, das an die alte Stadtmauer gebaut ist. Hier wohnt und arbeitet der junge Architekt Men Duri Arquint, ein grosser Bewunderer von Lieschs Arbeit. «Liesch war geradezu qualitätssüchtig, die Materialien sind solide, pur und tektonisch absolut konsequent durchgezogen. Liesch hat sich hier auf drei Baustoffe beschränkt: Mauerwerk, Lärche und Peperino Rosso», erklärt er bei unserem Besuch. Die Materialisierung bis in die Massstäblichkeit des Mobiliars und die Liebe zum Handwerklichen sind wichtige Merkmale von Lieschs Baukunst, die einzelnen Baustoffe bilden Miniarchitekturen, entfalten sich zu kleinen Referenzsystemen, die auf die grossen Linien und Formen verweisen. Überhaupt sind seine Bauwerke von enormer mathematischer Komplexität.
Text: Susanna Koeberle Fotos: Heinrich Helfenstein
Stuttgart
Wir befinden uns am Killesberg in Stuttgart, einem steilen Stück Land mit schöner Aussicht. Das Haus ist ein Neubau mit vier Wohnungen, die von Interior Designerin Stefania Andorlini liegt im Parterre und ist «eigentlich eine Gartenwohnung », wie die erfolgreiche Kreative ausführt. Stefania Andorlini hat die Wohnung im verfeinerten Rohbau gekauft und konnte beim Innenausbau weitestgehend mitreden. Für ihre elegante Stadtwohnung setzten sie und Bernhard Mende auf eigene Entwürfe, kraftvolle Farben und viel Textil. So hat sie den Kamin als erstes Element «innerhalb von fünf Minuten entworfen» und ist heute überglücklich, dass er sich genau präsentiert wie gewünscht. Andernorts waren Begradigungen nötig, denn die bereits eingebauten Türen waren für den Geschmack der zukünftigen Bewohnerin viel zu klein. «Ich liess alle Türen und Türstürze entfernen bis auf den einen, der statisch wichtig war», sagt Stefania Andorlini. Weil sie keine Möglichkeit fand, ihn zu verbergen, weist die italienische Songzeile «Vengo anch’io, no, tu no», verzerrt zu einer Art Strichcode, auf das Dilemma der Türstürze hin. «Es ist der Türsturz, der eben bleiben musste und nicht mitkonnte», lacht Stefania Andorlini, deren Grossvater einen Weinhandel in Florenz hatte, während ihr Vater später eine Handelsagentur führte und ihre Mutter sich «mit fantastischem Auge» um die Häuser kümmerte, die es einzurichten galt. Das Ensemble aus Bertoia-Drahtstühlen mit Saarinen-Tisch stammt beispielsweise aus Mutter Andorlinis Sammlung, ergänzt wurde es von der Tochter mit einer von Jasper Morrison entworfenen Lampe für Flos.
Dank der entfernten Türen ist die Gartenwohnung am Hang über Stuttgart ein grosszügig fliessendes Raum-Ensemble von luxuriöser, aber nicht neureicher Ausstrahlung, hochgradig individuell zugeschnitten auf die Bewohnerin und ihren Lebenspartner.
Text: Hans Georg Hildebrandt Fotos: Brigida Gonzales
Im Wallis
In den steilen Hängen des Wallis findet sich so manches alte Waffen- und Munitionslager der unter Abbaudruck stehenden Armee. Sie werden deshalb teilweise verkauft. Eines von ihnen ging an den Bewohner einer Berghütte weiter unten am gleichen Hang. Er kaufte es mit dem Ziel, das Depot in einen bewohnbaren Raum zu verwandeln. Gebaut im Zweiten Weltkrieg, sitzt das Gebäude über einem kleinen, halb im Boden versenkten Bunker mitten in der Berglandschaft. Der Blick reicht über das ganze Tal und die schneebedeckten Berge. Man befindet sich nur einen Steinwurf entfernt von der französischen Grenze. Diese Holzbox, im Inneren aufgeteilt in viele kleine Räume, galt es, in einen angenehmen Ort zum Leben umzuwandeln. Alle Ideen liefen zunächst darauf hinaus, das komplette Gebäude einfach abzureissen. Einzig der Architekt Ralph Germann machte den Vorschlag, das Gebäude zu erhalten. Er wollte im Gegenteil sogar die Innenfassade sichtbar gestalten. Für ihn soll «ein altes Haus nicht einfach ausgelöscht werden. Wenn man etwas Altes verändert, ist es wichtig, den originalen Charakter zu unterstreichen.»

Sein Plan war, das Haus mit einer Wohlfühlatmosphäre auszustatten. In der Ausführung wurde im Inneren ein Glaskubus eingefügt. Diese Option ermöglichte es ihm, die Aussenhaut völlig unberührt zu lassen. Im Zug der Erhaltung der Zeitzeugen für die Gegenwart übernahm der Architekt deren beste Facetten: einfache Materialien – elegant und solide – wie Lärche, Schiefer, Glas und Metall. Für deren Interpretation benutzte er klare, gerade Linien, wodurch er dem Haus eine neue Zeitlosigkeit und Stärke gab. Es liegt nun in den Händen der Besitzer, die Geschichte des Gebäudes weiterzuschreiben, indem sie ihre eigenen Spuren hinzufügen. Die Vergangenheit ist noch immer da, aber leicht und weich wie ein Kaschmirschal.
Text: Sylvie Ulmann Fotos: Lionel Henriod
Alles im Fluss
Küchen sind Gegenwelten: Man setzt auf kulturelles Flair, edle Bistro-Stimmung oder den Chic von Designhotels.

Franke
Der hier abgebildete Wasserspender «Centinox» überzeugt mit prägnanten Design- und Funktionselementen. Der vierkantige, hohe Sockel wurde mit einem geraden, fl achen Verbindungselement und einem schwarzen, bogenförmigen Profi - Brauseschlauch kombiniert. Mittels einer bequem zu handhabenden Clip-Fixierung lässt sich der Brausekopf zudem einfach an
der Querverbindung andocken. Top: flexibler 360-Grad-Schwenkbereich mit extrahohem Auslauf.

The Soft World
Die Niederländerin Beatrice Waanders verzaubert mit ihrer Home Couture.
Poesie in Fell und Stoff kreiert Beatrice Waanders mittels jahrhundertealter Filztechnik aus der Wolle von mehr als 30 alten und vergessenen europäischen Schafrassen, aus Mohair und Kaschmir, Alpaca, Kamelhaar, Angora, Seide und Baumwolle. Ihre Kreationen sind naturgemäss Unikate und werden ausschliesslich aus Wolle von Hobbyzüchtern, die ihren Tieren ein wunderbares Leben bieten, gefertigt.