Highlights

Archithema:Highlights

Highlights aus der aktuellen Ausgabe von Umbauen + Renovieren:


 

 

Vielseitiges Dach

Zollikerberg

Ein Anbau verleiht einem Haus mehr Wohnqualität und Raum. Das Haus aus den 1920er-Jahren wird mit einem Holzbau subtil erweitert und erhält einen neuen Bezug zum Aussenraum. Das auskragende Dach übernimmt dabei mehrere Funktionen.


An der Neuackerstrasse in Zollikerberg glich einst jedes zweite Haus dem anderen. Der Grund: Sie gehören zur «Gartenstadt-Kolonie Waldburg Zollikerberg», die der Architekt Max Locher 1928 projektiert hat. In der Strasse folgt jeweils ein Doppelhaus mit Krüppelwalmdach auf ein Einfamilienhaus mit spitzem Giebeldach. Umgeben sind die Häuser von grosszügigen Gärten mit altem Baumbestand. Heute sind die meisten Häuser den Bedürfnissen unserer Zeit angepasst und individuell umgebaut worden. An den Umbaumassnahmen kann man ablesen, was den heutigen Bewohnern der Häuser aus den 1920er-Jahren fehlt, nämlich Platz. So finden sich verschiedene Anbauten, wobei die Lösungsansätze genauso unterschiedlich sind. Eine junge Familie mit zwei Kindern bewohnt heute das kleine Einfamilienhaus mit dem hohen Giebeldach am Anfang der Strasse. Weil in der Vergangenheit nur das Nötigste am Haus gemacht wurde, entschied man sich für einen grundlegenden Umbau, bei dem auch die räumlichen Verhältnisse an die vierköpfige Familie angepasst werden sollten. Bald stellte sich heraus, dass man den Wohnraum im Erdgeschoss erweitern wollte. Für Patrick Chladek, den beauftragten Architekten, war schnell klar, dass der Anbau nicht an der Seite des Hauses zu stehen kommen soll, denn das Haus soll sich nicht abwenden, erklärt er: «Der Anbau und die Terrasse richten sich zur Strasse und geben dem Haus wieder ein ansprechendes Gesicht.» Ein Neubauersatz wäre baurechtlich möglich gewesen und hätte – da eine höhere Ausnützung auf dem Gelände zulässig ist – sicher auch mehr Raum mit sich gebracht. Auch hätte man höher bauen können, doch beides kam weder für Architekt noch Bauherrschaft je infrage. Die Bewohner haben das Haus gekauft, weil sie Freude an der alten Bausubstanz hatten, dennoch bestand der Wunsch nach grösseren zusammenhängenden Flächen. «Die Herausforderung des Umbaus war die Kleinräumlichkeit», sagt Patrick Chladek. Nun vergrössert ein Anbau das Wohnund Esszimmer und stellt einen Bezug zum Garten her. Der Anbau ist eine Holzkonstruktion deren Vorteil die schlanke Dachkonstruktion ist, da die Dämmung nicht als zusätzliche Schicht angebracht werden musste, sondern zwischen den tragenden Holzbalken liegt. Holz wurde auch für die Verkleidung verwendet, weiss lasiert und passt sich so dem Bestand an, ohne ihn zu kontrastieren.

 

Fotos: Karin Gauch, Fabien Schwartz

1 Der Wunsch nach einer überdachten Terrasse konnte mit dem Anbau erfüllt werden. Die Holzlatten sind aus Douglasie und wetterfest.
2 Dank des Anbaus hat die vierköpfige Familie genügend Platz für Bibliothek und Wohnzimmer.
3 Der helle Wohnraum lässt sich grosszügig zum Aussenraum öffnen.

Glanzstück

Ein Paar verliebte sich in ein kleinteiliges altes Haus, wünschte sich jedoch auch genügend Raum, um seiner Leidenschaft nachzugehen, dem Swing-Tanzen. Abhilfe schafft ein Anbau von amrein giger architekten, der mit Form, Farbe und Licht spielt.

Lindy Hop ist ihre grosse Leidenschaft, beim Tanzen haben sie sich kennen gelernt. Der Lindy Hop hat auch das neue Zuhause des Paares mit geprägt, denn der Anbau wurde eigens so geplant, dass dort kleine Tanzfeste stattfinden können. Das Haus, an das der Anbau gefügt ist, datiert von 1935 – passend zu dem Swing-Tanz der 1930er-Jahre. Dies ist kein Zufall, denn nicht nur Lindy Hop und Swing-Musik faszinieren die Bewohner, sondern auch die Epoche, in welcher der Tanz populär wurde. Der «Grossvater des Rock ’n’ Roll» lebt von Improvisation und akrobatischen Figuren – und wäre unmöglich in den kleinen Räumen des Wohnhauses von 1935 auszuüben gewesen. Jedoch gefiel den neuen Besitzern die Atmosphäre, und das weitläufige Grundstück bot genügend Reserve für einen grosszügigen Anbau. Diesen hatten sich die Bewohner eigentlich rückwärtig vorgestellt.Ruth Giger und Heiko Schiller von amrein giger architekten schlugen jedoch vor, den Anbau seitlich, auf der Südseite zu platzieren. So ging zwar mit dem Süderker des ehemaligen Wohnzimmers ein schöner Platz «verloren», doch dem steht ein grosser Gewinn gegenüber: Entstanden ist eine offene, übereck verlaufende Raumfolge mit starkem Bezug zum Garten; zudem wird der hintere Gartenteil gefasst und ist so intimer.

Fotos: Adriano A. Biondo

Der Übergang von alt zu neu ist sanft, aber erkennbar: Fensterformate, Bodenbeläge, Wand und Deckenfarbe unterscheiden sich eindeutig.

Hoch über dem See

Vierwaldstättersee

Forsberg Architekten haben durch einen gekonnten Umbau die architektonischen Qualitäten eines 1960er-Jahre-Hauses hervorgehoben. Die Architektur nimmt nun noch stärker Bezug auf die faszinierende Lage des Gebäudes hoch über dem Vierwaldstättersee.

Die Lage des Einfamilienhauses hoch über dem Vierwaldstättersee ist wahrlich traumhaft. Das Haus hingegen, errichtet in den frühen 1960er-Jahren, war eher einfach und bescheiden gebaut – mit dünnen Wänden und ohne jegliche Dämmung. Auch der Zustand der Bausubstanz liess zu wünschen übrig. Da die heutigen Eigentümer das Haus jedoch vor allem als Wochenend- und Ferienhaus nutzten, fanden sie sich zunächst mit der Situation ab. Denn Erholung ist an dieser Aussichtslage wohl in jedem Fall gewiss. Veränderungen an der Liegenschaft waren im Laufe der Jahrzehnte nur wenige vorgenommen worden. Einige Fenster sowie die Küche waren erneuert worden, und die alten Bodenbeläge sind in den meisten Räumen einem neuen Kastanienparkett gewichen. Doch mit der Zeit kam bei den Hausbesitzern der Wunsch nach mehr Raum und einem zusätzlichen Badezimmer auf sowie der Wunsch, mit einem guten Konzept einen architektonischen Mehrwert zu erzielen. Ausserdem sollten die Aussentreppe überdacht, die Gebäudehülle gedämmt sowie die alte Ölheizung ersetzt werden.

Fotos: Tom Bisig

Die bereits vorhandenen architektonischen Qualitäten des Hauses sind durch den Umbau verstärkt worden. Ein Teil des Daches gegen Westen ist abgebrochen worden, um so eine Ebene für ein zusätzliches Zimmer zu schaffen.
1
2

Vorher

1 Das Einfamilienhaus aus den frühen 1960er-Jahren war sehr einfach gebaut und von seiner Bausubstanz her in keinem guten Zustand. Die Lage oberhalb des Vierwaldstättersees jedoch war mehr als überzeugend.
2 Die alte Wendeltreppe hatte lediglich die Funktion, Erd- und Obergeschoss miteinander zu verbinden.

1
2

Nachher

1 Im Erdgeschoss ist auf Wunsch der Bauherrschaft kaum etwas verändert worden. Neu ist jedoch die geradläufige Treppe. Sie ersetzt die alte Wendeltreppe, vereint Erd- und Obergeschoss und übernimmt zugleich die Funktion als Raumteiler.
2 Auch im Obergeschoss ist der Blick durch die grossen Fenster auf den See raumbestimmend.

Endlich Sommer
Wie leicht ist doch das Leben, wenn es wieder vermehrt draussen stattfindet. Diese kleinen und grossen Dinge helfen, den Aufenthalt im Garten so angenehm wie möglich zu gestalten.

Happy Colours
Der Drahtstuhl von Alfredo Häberli für Classicon ist ein Klassiker. Der Designer hat ihn originalgetreu nach einer Bleistiftskizze
gefertigt, und so sieht er auch aus.

www.classicon.com

Zur Reportage

Spiel mit Farbe
Einen Raum ein wenig auffrischen oder dem Zuhause einen ganz neuen Look verpassen, mit Tapeten, Anstrichen und Stoffen ist alles möglich. Entweder grossflächig oder als Akzent, dauerhaft oder nur für eine Saison.


Die Inspiration zur Tapetenkollektion von Atelier Oi stammt aus der Ausstellung «Möbel und Räume Schweiz» im Landesmuseum Zürich.

Atelier Oi, www.atelier-oi.ch
Hersteller: Vescom, www.vescom.com

Zur Reportage

 

Hier können Sie abonnieren

zurück